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Dienstag, 15.05.2018
Kategorie: Pressemitteilung

„Train to survive“- Kampfflieger-Ausbildungszentrum POLYGONE

„Überlebens- und Durchsetzungsfähigkeit fliegender Waffensysteme ist ein MUSS für die Landes- und Bündnisverteidigung“, erläuterte Oberstleutnant Thomas Emig, als Landrat Ralf Leßmeister die POLYGONE bei Bann besuchte. Oberstleutnant Emig leitet den deutschen Anteil POLYGONE im „Zentrum Elektronischer Kampf Fliegende Waffensysteme“. Die taktische Ausbildung gegen Flugabwehrsysteme sei grundlegend bei der Aus- und Weiterbildung von Kampfpiloten, ein „train to survive“ für den Einsatz im Kriegsgebiet.
Bereits 1979 habe ein Abkommen zwischen Deutschland, Frankreich und den USA dieses gemeinsame Übungszentrum für die Luftwaffenpiloten auf den Weg gebracht, führte Emig weiter aus. 1989 startete die Ausbildung mit US Simulatoren, 1994 standen russische Systeme aus NVA- Beständen zur Verfügung, 2014 wurde alte Technik entsorgt, um durch moderne Technik und ständige Aktualisierung dem schnellen Fortschritt in der Rüstung zu folgen.
POLYGONE ist mit insgesamt 100 Vertretern der Deutschen Luftwaffe, der US-Streitkräfte und der französischen Luftwaffe besetzt. Die Führung wechselt im zweijährigen Rhythmus, zurzeit steht die Einrichtung unter dem Kommando der deutschen Luftwaffe. Ein Sonderabkommen mit dem französischen Staat ermöglicht durch ständige diplomatische Freigabe das Eindringen in den nahegelegenen französischen Luftraum. POLYGONE bietet Unterstützung von Übungen und Testverfahren für alle fliegenden Waffensysteme der Bundeswehr und befreundeter Nationen. So werden Übungseinheiten von jeweils 20 Minuten durch die fliegenden Geschwader gebucht. In diesem Zeitraum werden von stationären und/oder mobilen Bedrohungsstationen Flugabwehrangriffe simuliert, die die Piloten parieren müssen. Nach dem Übungsflug werden die Daten ausgelesen und können von den Piloten entsprechend ihrer Flugbedingungen ausgewertet werden. Mit der begründeten Erkenntnis, ob sie das Flugzeug erfolgreich dem simulierten Angriff haben entziehen können und überlebt haben - oder auch nicht.
Auf die Frage von Landrat Leßmeister, ob es nicht ausreiche, solche Techniken im Flugsimulator zu üben, entgegnete Oberstleutnant Thomas Emig, dass die Simulation zwar eine wichtige Rolle spielt, dies aber niemals ausreiche, denn der Pilot müsse das Training in Echtzeit unter Einfluss der sogenannten g-Kräfte machen, denen der Körper durch die Beschleunigung und Richtungsänderung im Moment des Manövers ausgesetzt sei. Bei einer Reaktionszeit auf einen Angriff von sechs bis acht Sekunden unter diesen Bedingungen entscheide im Ernstfall eine Sekunde über Leben oder Tod, eine Erfahrung, die kein Simulator vermitteln könne. Vereinfacht dargestellt würde man sein Kind ja auch nie alleine auf den öffentlichen Straßenverkehr loslassen, wenn es zuvor nur im Fahrsimulator geübt hätte. Die Ausbildung eines Kampfpiloten dauere rund acht Jahre und man könne beobachten, dass die Übungseinheiten der POLYGONE die „Lernkurven“ der Piloten enorm steigerten. Zu diesem Zweck werden parallel zu dem Betrieb in POLYGONE auch in internationaler Kooperation Luftwaffen-Übungen in ganz Europa mit Manpower und Hardware der POLYGONE unterstützt.

Er sei überrascht und beeindruckt, was in der von außen doch eher unscheinbaren Einrichtung geleistet werde, staunte Landrat Leßmeister und lud Oberstleutnant Thomas Emig ein, bei Gelegenheit im Rahmen einer Kreistagssitzung auch die Mitglieder des Kreistages über die Aufgaben der POLYGONE zu unterrichten.

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